{"id":731,"date":"2015-01-23T16:56:22","date_gmt":"2015-01-23T14:56:22","guid":{"rendered":"https:\/\/zeptner.com\/?p=731"},"modified":"2020-07-08T20:19:21","modified_gmt":"2020-07-08T18:19:21","slug":"marrakesch-iii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zeptner.com\/?p=731","title":{"rendered":"Marrakesch III"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Wieso zur H\u00f6lle jetzt schon wieder Marrakesch? Ich dachte erst im M\u00e4rz wieder, mit euren Freunden?!&#8220;<br>So schallt es uns h\u00e4ufiger in letzter Zeit entgegen.<br>&#8222;Ganz einfach&#8220; antworten wir.&#8220;Weil wir Ryanair auf den Leim gegangen sind!&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Und so ist es auch, kurz vor Weihnachten kommt eine Mail von besagtem Billigflieger der uns Fl\u00fcge im Januar f\u00fcr knapp 25 Euro nach Marrakesch anbietet. Wie soll man da noch nein sagen k\u00f6nnen. Wir greifen also zu und buchen noch Koffer und Priority hinzu und bezahlen am Ende gut 170 Euro f\u00fcr zwei Personen hin und zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei unserem letzten Aufenthalt haben wir ein nettes Hotel ausfindig gemacht, das nahe zum Jamaa El Fna liegt und nur 40 Euro pro Zimmer und Nacht kostet.<br>Unsere Anfrage per Mail wird schnell best\u00e4tigt und der Preis sinkt auf Grund unserer Reisedauer auf 30 Euro pro Naht &#8211; Ideal! Der nette Mokhtar aus dem Hotel Wissam bittet uns noch ihn eine Woche vor Abflug zu kontaktieren und ihn an den Transfer (soll auch nur 10 Euro Kosten) und die Buchung zu erinnern.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Gut eine Woche vor dem Abflug\u2026\u2026.<\/h4>\n\n\n\n<p>Auf unsere freundliche Erinnerungsmail an Mokhtar und das Hotel Wissam erhalten wir keine Antwort. Auf zwei weitere Mails an den darauf folgenden Tagen auch nicht. In der vierten Mail stornieren wir unsere Buchung.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt schlimmeres, man k\u00f6nnte z.B. keinen Reisepass haben, ich nenne aber zum Gl\u00fcck ein nagelneues Exemplar mein Eigen und Isi ist weit weg.<br>Kurzentschlossen greife ich auf airbnb(LINK) zur\u00fcck und buche im Handumdrehen das <a href=\"https:\/\/www.booking.com\/hotel\/ma\/dar-zouar.de.html\">Riad Dar Zouar<\/a> bei airbnb. Preis &#8211; auch 30 Euro pro Nacht und dazu noch Fr\u00fchst\u00fcck inklusive. Der Flughafentransfer kostet hier 15 Euro, was aber zu verschmerzen ist.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Sonntag 18.1.2015 &#8211; Montag 19.1.2015<\/h4>\n\n\n\n<p>Unspektakul\u00e4rer Flug, perfekter Transfer &#8211; wir sind da. Das Riad Dar Zouar liegt im Norden der Medina, nah dem Bab Zickzackdingens hinter dem der verr\u00fcckte Flohmarkt beginnt von dem es ausgiebige Berichte vom letzen Aufenthalt gibt. Der Weg zur Riadpforte ist etwas verwinkelt und nicht leicht zu finden. Von daher hat sich der Transfer schon bezahlt gemacht. Das Riad selbst ist teilweise etwas renovierungsbed\u00fcrftig. An manchen Stellen bl\u00e4ttert der Putz und die eine oder andere Wand ist etwas feucht (es hat hier viel geregnet in letzter Zeit). Aber es ist alles sauber und Amina und Samad sind sehr nett. Samad kann sogar Englisch! Amira leider nur arabisch und franz\u00f6sisch. Wir verst\u00e4ndigen uns mit etwas arabisch und noch weniger franz\u00f6sisch mit ihr.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Hunger treibt uns aus dem Riad, auf die Gefahr hin uns zu verirren wagen wir uns in die Gassen und speisen an einer kleinen Grillstation. Spie\u00dfe mit Gehacktem, Saucen, Zwiebeln, Brot und Oliven gleiten die Kehle hinab. Der Geldbeutel wird dadurch nicht viel leichter &#8211; f\u00fcr die zwei Portionen werden 40 DH f\u00e4llig (keine 4 Euro!).<\/p>\n\n\n\n<p>Am n\u00e4chsten Tag treffen wir beim Fr\u00fchst\u00fcck weitere Mitbewohner, ein \u00e4lteres Ehepaar aus Wales stellt sich uns vor. Angeregt unterhalten wir uns \u00fcber Marokko und seine K\u00f6nigsst\u00e4dte. Die beiden fahren heute noch mit dem Zug nach Rabat um von da aus eine einw\u00f6chige Rundreise zu starten. Sie legen uns das Essen im Riad ans Herz, Amira soll eine super K\u00f6chin sein.<br>In einem Anfall geistiger Umnachtung glauben wir zwei Engl\u00e4ndern, die ein Essen empfehlen (wahrscheinlich nehmen wir demn\u00e4chst auch Ratschl\u00e4ge von Blinden zu 3D-Filmen an) und bestellen f\u00fcr den Abend das Essen inklusive einer Flasche Wein. Der Spa\u00df soll irre 17 Euro pro Person kosten &#8211; ohne den Wein.<\/p>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4ter sehen wir noch kurz ein spanisches P\u00e4rchen das auch im Riad wohnt und uns am Tag darauf auch verlassen wird.<br>F\u00fcr den ersten Tag steht die Medina auf dem Programm. Der Himmel ist bedeckt und Regen f\u00e4llt hin und wieder. Erstaunlich gut finden wir den Weg zum Platz der Geh\u00e4ngten, etwas trostlos liegt er da, im Regen, fast wie ausgestorben. Uns zieht es in den Souk, wir besuchen unseren Lederdealer, der im September meine Hose massgeschneidert hat. Eine Hose ohne Jacke ist ja irgendwie nichts wert &#8211; oder?! Und da ja die beste Ehefrau der Welt und ich demn\u00e4chst gemeinsam wie Dennis Hopper und Peter Fonda (ok dann eben Jane Fonda) in Easyrider in den Sonnenuntergang mit unseren Motorr\u00e4dern fahren wollen, lassen wir uns identische Jacken anfertigen. Ihre in schwarz meine in Braun, ansonsten genau gleich (ok abgesehen von der Gr\u00f6\u00dfe).<\/p>\n\n\n\n<p>Mittwoch sollen sie fertig sein &#8211; wir verlassen voller Vorfreude den Souk und begeben uns zum Mittagessen an den Stand, an dem wir im September f\u00fcr 1 Euro leckere Merquez im Brot mit Spieglei und Gem\u00fcse verspeisten. Der Stand steht an Ort und Stelle, Merquez sind auch da &#8211; wir bestellen. Ich bin etwas verwirrt als der junge Mann 40 DH haben will, was dann eben 2 Euro pro Portion entspricht. Auf meine Frage, wie es denn sein kann, dass sich der Preis von September bis Januar verdoppelt hat, wird mir beschieden, dass sich die Menge auch verdoppelt h\u00e4tte. Ganz ohne eine Portion Verlegenheit kommt dem Guten das dann doch nicht \u00fcber die Lippen. Ich lache und bezahle &#8211; f\u00fcr dieses mal. Wenn wir w\u00e4hrend unseres Aufenthaltes noch mal wiederkommen sollten bestelle ich dann gleich f\u00fcr 10 DH pro Portion &#8211; mal sehen wie viel es dann ist!<\/p>\n\n\n\n<p>Wir schaffen es mit ein paar Umwegen unser Riad wiederzufinden und relaxen bis zum Abendessen im Zimmer, welches wir gl\u00fccklicherweise elektrisch beheizen k\u00f6nnen. Um 19:00 Uhr ist es soweit &#8211; das drei G\u00e4nge Men\u00fc wir serviert. Vorweg Brot mit zwei verschiedenen Pasten (Artischocke und Tomate-Bohne), die wirklich gut geschmeckt haben, dann eine grosse Tanjine mit Lamm, Zwiebe, Erbsen und Artischocke. Das Hauptgericht ist ok, mehr aber auch nicht, da haben wir f\u00fcr viel weniger Geld schon viel besser gegessen in Marrakesch! Der Nachtisch, bestehend aus Joghurt mit Erdbeeren ist aber dann vers\u00f6hnlicher Weise wieder sehr gut.<br>Alles in Allem sicherlich keine 34 Euro wert, aber doch essbar. Der Wein ist ok, was er kostet werden wir dann am letzen Tag erfahren, wenn die Rechnung die Wahrheit enth\u00fcllt.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Dienstag 20.1.2015 &#8211; Mittwoch 21.1.2015<\/h4>\n\n\n\n<p>&#8222;Der franz\u00f6sische Ku\u0308nstler Jacques Majorelle (1886\u20131962) vereinte die auf seinen Reisen durch alle Kontinente gesammelten exotischen Pflanzen in diesem wundersch\u00f6nen Garten, den er 1947 fu\u0308r die \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich machte. 1980 erwarben der in Oran geborene Modesch\u00f6pfer Yves Saint Laurent und dessen Lebensgef\u00e4hrte Pierre Berg\u00e9 die G\u00e4rten. Vor der umfassenden Renovierung im Jahr 2000 war dieser beinahe mystisch sch\u00f6ne Platz kaum bekannt. Heute dr\u00e4ngelt sich schon am sp\u00e4ten Vormittag eine Unmenge an Touristen auf den schmalen Wegen \u2013 ein fru\u0308her Besuch ist deshalb ratsam.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>So steht es im Reisef\u00fchrer City Trip Marrakesch &#8211; und es stimmt alles. Wir sind weit ausserhalb jeder Saison und auch relativ fr\u00fch im Garten, dennoch ist dieser gut gef\u00fcllt. Der Garten ist ein faszinierender Ort der Ruhe mit Pflanzen aus aller Welt. Der Besuch im Berbermuseum, das im Park liegt, ist f\u00fcr den Preis von 25 DH lohnenswert. Der Park scheint zudem auch eine Pilgerst\u00e4tte f\u00fcr gleichgeschlechtliche Paare zu sein, diese sind hier \u00fcberproportional vertreten. Wer Marrakesch besucht, sollte diesen Ort unbedingt gesehen haben. Schade, dass wir drei Besuche gebraucht haben um ihn f\u00fcr uns zu entdecken.<\/p>\n\n\n\n<p>Jacques Majorelles Park liegt am Rande von Gu\u00e9liz, also der Neustadt. Da wir die letzen Aufenthalte immer der Medina gewidmet haben, beschliessen wir nun dem neuen Marrakesch auch eine Chance zu geben. In diesem Stadtviertel tummelt sich die Oberschicht. Quasi alle g\u00e4ngigen Modelabel sind mit Boutiquen vertreten und auch der amerikanische Gourmettempel mit dem grossen M auf dem Dach ist hier zu finden. Die Preise sind auf europ\u00e4ischen Niveau und wie auch bei uns lockt zur Zeit der grosse Winterschlussverkauf mit Rabatten von bis zu 70%.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Unterschied ist, dass die L\u00e4den nicht so \u00fcberf\u00fcllt sind wie bei uns. Hier ist mehr die Upper Class unter sich. Wir verlassen auch schnell wieder dieses sauber herausgeputzte Schickimickiviertel und streifen noch kurz den El Harti Garten, geniessen die Ruhe dort und entschwinden dann entlang der Avenue Mohammed V in Richtung Medina. (Nat\u00fcrlich nicht ohne dem Supermarkt einen Besuch abzustatten und uns mit Wein, Bier und Salami zu versorgen.)<\/p>\n\n\n\n<p>Der Nachmittag f\u00fchrt uns wieder in die quirligen Gassen der Medina. Durch Zufall finden wir einen lange gesuchten Verkaufsstand wieder. Hier gibt es echte Antiquit\u00e4ten und auch jede Menge Ramsch. Es gelingt mir zwei Feuerzeuge (eins vermeintlich von Zippo) und eine sehr alte Berber-Ledertasche zu ergattern. Das die Tasche \u00e4lter als 100 Jahre sein kann best\u00e4tigt uns anschliessend unser Lederdealer bei dem wir zuf\u00e4llig vorbeikommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diesmal ist auch der Chef da, der im September unbedingt meine Schuhe wollte, Er soll auch diesmal nicht leer ausgehen, ich tausche meine Turnschuhe gegen einen saftigen Rabatt auf eine Lederaktentasche die ich jetzt f\u00fcr sagenhafte 300 DH erstehe. Wir deponieren alles im B\u00fcro unseres Lederfreundes und verlaufen uns erstmal wieder auf das Gemeinste auf unserem Heimweg. Im Riad steht Sonnen auf dem Programm, wo das alte Luder doch jetzt endlich scheint.<br>Der Abend klingt mit Wein, Brot und Salami aus &#8211; das Bier habe ich leider Mittags schon vernichtet.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Mittwochmorgen f\u00fchrt uns in das j\u00fcdische Viertel Mellah. Der Einstieg ist etwas versteckt und die Stra\u00dfen sind hier, anders als in der Medina gerade und im rechten Winkel angeordnet. Auff\u00e4llig ist auch das soziale Gef\u00e4lle zur restlichen Medina. Die Strassen sind schmutzig, die Menschen oft auch und obendrein noch schlecht gekleidet. Touristen sucht man quasi vergeblich. In einem kleinen Shop erstehen wir wundersame Kristalle die in Wasser gel\u00f6st wie starkes japanisches Heilpflanzen\u00f6l duften. Einige wenige Kristalle in den Tee (den uns der freundliche alte Herr im Shop serviert) gegeben machen sofort die Nase frei. Wir kaufen ohne zu sehr zu handeln. Hier ist geben seliger als nehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der nette Herr weist uns den Weg zum j\u00fcdischen Friedhof. Am Eingang fragt mich ein netter Mann ob ich Jude w\u00e4re, als ich verneine erkl\u00e4rt er mir, das ich aus Respekt vor den Toten eine Kippa tragen soll. Ich sehe fortan aus wie Anton aus Tirol und wir betreten diesen surrealen Ort der Toten.<br>Die Gr\u00e4ber sind quasi wild verstreut, manche in einem beklagenswerten Zustand und dem Verfall preisgegeben, andere recht gut erhalten und auch wenige neueren Datums sind dabei. Die meisten Gr\u00e4ber sind mit Ziegelsteinen errichtet und einfach verputzt worden, sie tragen meistens auch keine Inschriften. Andere haben eine Marmorplatte mit Inschriften oder sind komplett aus Marmor. Wir sehen \u00fcberwiegend Gr\u00e4ber aus den Jahren 1920 &#8211; 1950. Die Verstorbenen sind meist nicht alt geworden, viele starben im Alter von 17-25 Jahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Beeindruckend ist diese vollst\u00e4ndige Stille an diesem Ort, v\u00f6llig abgeschnitten ist der L\u00e4rm und das hektische Treiben der Medina.<br>Am Ausgang erkl\u00e4rt uns der freundliche j\u00fcdische Friedhofsw\u00e4chter, dass die Juden in Marrakesch sehr arm waren und unter Mangelern\u00e4hrung litten. Meist wurde sich nur von Brot und Wasser ern\u00e4hrt, Krankheiten waren an der Tagesordnung und so wurden nur wenige wirklich alt.<br>Wir bedanken uns mit einer Spende von 100 DH f\u00fcr die Erl\u00e4uterungen und kehren langsam zur\u00fcck zur Medina, essen in unserem &#8222;Stammlokal&#8220; eine Tajine und kehren zielstrebig zum Riad zur\u00fcck, zumindest so gut wie das eben geht.<\/p>\n\n\n\n<p>Um 17:00 Uhr sind wir im Leder-Souk verabredet, um unsere Sch\u00e4tze einzusammeln, ausgerechnet jetzt verlaufen wir uns zum ersten Mal auf dem Weg in die Medina, wir schaffen es aber noch so gerade p\u00fcnktlich an unser Ziel. Die bestellten uns massgefertigten Lederjacken sehen toll aus, wir liefern Turnschuhe und tauschen noch einen Pullover gegen eine Bauchtasche. Zudem versprechen wir noch Birkenstock-Sandalen und Turnschuhe in Gr\u00f6\u00dfe 41 im M\u00e4rz mitzubringen. Inshallah!<\/p>\n\n\n\n<p>Zur\u00fcck wollen wir erstmals ein Taxi nutzen, wir kehren also zur\u00fcck zum Jamaa El Fna und begeben uns zum Taxistand. Aus der Infomappe im Riad wissen wir, dass eine Fahrt am Abend zum Jamaa El Fna 15 DH kosten darf. Wir werden, kaum das wir nur in die N\u00e4he eine Taxis kommen, sofort angesprochen ob wir ein Taxi ben\u00f6tigen. Ich nicke. Wir sollen einsteigen. Ich verneine. Ich nenne unser Ziel und ich will den Preis wissen. 60 DH fl\u00f6tet der Gute. Ich lache ihn aus und sage ihm das ich bereit w\u00e4hre 15 DH zu zahlen. Er geht runter auf 50 DH, dann auf 40 DH, dann zischt er ver\u00e4rgert ab. Kaum das er weg ist bietet sich ein Ersatz an. Dieses Exemplar f\u00e4ngt bei 50 an und dematerialisiert bei 30 DH. Jetzt reicht es uns erstmal und wir gehen ein paar Meter weiter. Das Spiel wiederholt sich noch zweimal. Keiner der Herren w\u00fcrde auf die abstruse Idee kommen und uns anbieten seinen Taximeter zu benutzen (der w\u00fcrde noch weit unter 15 DH stehen bleiben), stattdessen wird uns erz\u00e4hlt, dass die Fahrt ja bis kurz vor das Ende der Welt gehen w\u00fcrde und der v\u00f6llig \u00fcberteuerte Preis daher r\u00fchren w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Mal ehrlich, es geht uns echt nicht um die 3 Euro, aber es geht uns um das Prinzip! Ich sage dem Letzten, dass er sich selber verarschen kann und das wir lieber zu Fu\u00df gehen w\u00fcrden als jemals in so ein Taxi zu steigen.<br>Wir gehen an diesem Tag 18.468 Schritte &#8211; Taxi fahren wir in Marrakesch nicht! Niemals!<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Donnerstag 22.1.2015 und Freitag 23.1.2015<\/h4>\n\n\n\n<p>Amina ist seit gestern verschwunden und wird von einer robusten Nachfolgerin vertreten, und Samad entschuldigt sich f\u00fcr seine h\u00e4ufige Abwesenheit und erkl\u00e4rt uns, dass seine Schwester an Krebs erkrankt ist und jetzt im Krankenhaus liegt. Das Riad haben wir seit Dienstag f\u00fcr uns alleine und so freut es ihn, dass wir keine Nachtschw\u00e4rmer sind und er auf uns warten muss. Sobald wir zur\u00fcck sind verl\u00e4sst er das Riad und besucht seine Schwester. Die Abwesenheit von Amina, die wir als seine Frau identifiziert haben, erkl\u00e4rt sich auch bald. Sie steht kurz vor der Entbindung. Der arme Samad ist im Dauerstress, zumal es sein erstes Kind ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir streifen heute ziellos durch die Gassen, nehmen uns endlich mal die Zeit den Garten um die Koutoubia herum zu besichtigen, und kaufen noch ein paar Kleinigkeiten ein, die unsere Lieben zuhause bestellt haben. Im Riad halten wir daraufhin etwas Mittagsruhe und wollen dann v\u00f6llig ausgehungert etwas in unseren Magen bef\u00f6rdern. Mir steht der Sinn nach Pizza. In unmittelbarer N\u00e4he findet sich leider nichts und wir schl\u00e4ngeln uns immer weiter vor bis zum Jamaa El Fna, nicht ohne mehrfach lautstark auf tolle Angebote in Restaurants aufmerksam gemacht zu werden, die uns aber nicht interessieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt ist es ja bekanntlich so, dass wenn mich der Hunger zu einem bestimmten Grad \u00fcbermannt hat, meine Laune proportional dazu sinkt (ok logarithmisch w\u00e4re ehrlicher). Sie ist also schon unter den Nullpunkt gefallen als wir am Platz der Gehenkten uns dazu entschlie\u00dfen dem aufdringlichen Werben eines &#8222;Einweisers&#8220; stattzugeben und uns auf die Plastikst\u00fchle niederzulassen die in 2 Reihen vor und hinter einem Tisch stehen. Carmen setzt sich neben mich. Der Einweiser meint es w\u00e4re besser wenn wir gegen\u00fcber sitzen. Wir ignorieren ihn. Kaum das er verschwindet kommt der Kellner und besteht lautstark darauf, dass wir Visavis zu sitzen h\u00e4tten. Ziemlich dumm einem ausgehungerten L\u00f6wen aufs Maul zu hauen. Ich springe auf, gebe mit deutlichen Gesten zu verstehen, dass er sich die Speisekarte und sein Essen in eine K\u00f6rper\u00f6ffnung seiner Wahl stecken kann und wir verlassen den Imbiss.<\/p>\n\n\n\n<p>20 Meter weiter d\u00fcrfen wir uns dann sogar zu zweit an einem Vierertisch niederlassen. Ich bekomme die ersehnte Pizza und Carmen ein Couscous mit Huhn. Die Preise sind sehr moderat und die Qualit\u00e4t ist v\u00f6llig in Ordnung. F\u00fcr das Essen und zwei Gl\u00e4ser frischen Orangensaft zahlen wir 8 Euro.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Lokale im Osten des Jamaa El Fna sind also durchaus empfehlenswert, so man sich seinen Sitzplatz selber aussuchen darf.<br>Meine Zufriedensheitskurve ist analog zum S\u00e4ttigungsgef\u00fchl wieder gestiegen und wir lassen die Taxis einmal mehr links liegen und kehren per Pedes zur\u00fcck zum Riad. Wir w\u00e4hlen die Route aussen um die Gassen herum, ist ein St\u00fcck weiter, aber effektiv doch k\u00fcrzer, weil man sich nicht dreimal verl\u00e4uft.<\/p>\n\n\n\n<p>Unser Abendessen besteht wie die Abende zuvor aus Brot, Salami und Wein.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist Freitag, Sonne ist angek\u00fcndigt und eine franz\u00f6sische Familie mit zwei Kindern und zwei Grosseltern bev\u00f6lkern unser Riad. Thierry schaut immer mal wieder vorbei und erkundigt sich nach unserem Wohlbefinden.<br>Wir besuchen heute die Menara G\u00e4rten, die gut vier Kilometer vor den Toren der Medina liegen, direkt neben dem Flughafen. Ich \u00fcberwinde meine Taxi-Allergie und wir g\u00f6nnen uns f\u00fcr 50 DH die Fahrt vor die Stadt. Der Dacia in dem wir sitzen weist einen Kilometerstand von 358.000 auf! Wir kommen trotzdem sicher an.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Regen der letzten Tage hat die Luft reingewaschen und beschert uns einen spektakul\u00e4ren Blick auf das Atlasgebirge. Die G\u00e4rten wurden vor Jahrhunderten angelegt und bestehen vorwiegend aus Olivenb\u00e4umen. In der Mitte befindet sich ein Pavillon und ein grosses Wasserbecken in dem Wasserspiele aufgef\u00fchrt werden. Von der eigens daf\u00fcr errichteten Trib\u00fcne hat man einen guten Blick auf die Berge und auch auf die Stadt. Hier flanieren viele einheimische Jugendliche Hand in Hand und tauschen auch im Schutze der Trib\u00fcne die eine oder andere Z\u00e4rtlichkeit aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Den R\u00fcckweg legen wir zu Fu\u00df zur\u00fcck und wir essen noch mal im gleichen Restaurant wie gestern zu Mittag.<br>Auf dem R\u00fcckweg entschliesse ich mich bei einem Barbier eine Rasur zu wagen. Wir betreten den Laden in dem gerade noch ein junger Mann einen grossen Teil seines Haupthaares verliert. Danach bin ich an der Reihe und begehe den bl\u00f6desten Fehler schlechthin im Orient &#8211; ich vergesse vor der Dienstleistung nach dem Preis zu fragen und zu verhandeln. Der Meister der Klinge macht sich ans Werk und desinfiziert das Messer mit Alkohol um diesen dann zu entz\u00fcnden. OK &#8211; die Viren und Bakterien sind jetzt tot, ich hoffe das der Messerschwinger nicht schon immer mal so einem elenden Ungl\u00e4ubigen die Kehle aufschlitzen wollte und verkrampfe innerlich etwas.<br>Nach gut zehn Minuten ist die Prozedur \u00fcberstanden und der Scharlatan zieht mir 50 DH aus der Tasche. Da f\u00fchlt man sich doch gleich zweimal rasiert!<\/p>\n\n\n\n<p>Nachmittags sonnen wir uns auf dem Dach unseres Riads bevor wir uns doch noch mal aufraffen um in die Stadt zu schlendern und auf dem Jamaa El Fna zu essen.<br>Die Strassen sind erstaunlich leer und die H\u00e4ndler wirken alle tr\u00e4ge. Selbst auf dem Jamaa El Fna geht irgendwie alles langsamer, wenn nicht sogar lethargisch ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir setzen uns an einen Stand und werden direkt wieder gebeten doch gegen\u00fcber zu sitzen, damit mehr Leute aufschliessen k\u00f6nnen. Die Bitte des Standpersonals ist v\u00f6llig nachzuvollziehen. Es herrscht ein grosser Andrang, von gut 80 Sitzpl\u00e4tzen sind bereits 2 belegt. Ich sage, dass wir nebeneinander sitzen wollen und der Kellner akzeptiert es nun auch. Ich m\u00f6chte Fleischspie\u00dfe bestellen, die es \u00fcblicherweise in Lamm, Huhn und Gehacktem gibt. Der Master of Lamm und Huhn sagt wir sollen Mixed bestellen, was bedeutet, dass es von jeder Auswahl zwei Spie\u00dfe gibt, allerdings zu einem dreifachen Preis als wenn man nur Huhn, Lamm oder auch Gehacktes bestellt. Ich sage nochmal recht deutlich, dass wir nur Huhn wollen. Nun wird uns erkl\u00e4rt, dass es die Einfachauswahl nur mit Leber gibt und das w\u00e4re \u00fcberall so &#8211; auf dem gesamten Platz! Wir stehen auf und gehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Drei Meter weiter am n\u00e4chsten Stand lassen wir uns wieder nieder und bekommen was wir w\u00fcnschen. Es ist wirklich seltsam. Wir wissen nicht ob es daran liegt, dass es Freitag ist (der islamische Sonntag) oder ob der Regen der letzten Tage dem einen oder anderen nicht bekommen ist, aber alle wirken extrem lustlos. Selbst der S\u00fc\u00dfigkeitenverk\u00e4ufer mit dem Wagen No.1 hockt lustlos auf eine Bank und bietet niemandem seine Waren feil. Wir essen auf und irren heim.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Samstag und Sonntag 24.1.2015<\/h4>\n\n\n\n<p>Unser Abschied aus dem tr\u00fcben und doch etwas nasskalten Marrakesch f\u00e4llt uns nur bedingt schwer. Zum Einen sind wir ja bald zur\u00fcck und zum anderen liegt diese winterliche bleierne Schwere \u00fcber der Metropole aus tausendundeiner Nacht. Wir haben dennoch viele neue Eindr\u00fccke sammeln k\u00f6nnen und kennen uns mittlerweile doch halbwegs gut aus in den verwinkelten Gassen, die ihre Meschenstr\u00f6me gerne mal an Stellen ausspucken die denselben g\u00e4nzlich unbekannt sind. Es bleibt festzustellen, dass Marrakesch im Winter quasi eine light Version seiner selbst ist. Nicht so geruchsintensiv, nicht so hektisch, nicht so laut aber auch nur halb so abenteuerlich. Bis neulich.<\/p>\n\n\n\n<p>Lange Tage und angenehme N\u00e4chte<\/p>\n\n\n\n<p>Sascha<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery columns-2 is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\"><ul class=\"blocks-gallery-grid\"><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"960\" height=\"640\" src=\"https:\/\/zeptner.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/10947216_1046542642029735_1822371717046343095_n.jpg\" alt=\"\" data-id=\"777\" data-link=\"https:\/\/zeptner.com\/?attachment_id=777\" class=\"wp-image-777\" srcset=\"https:\/\/zeptner.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/10947216_1046542642029735_1822371717046343095_n.jpg 960w, https:\/\/zeptner.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/10947216_1046542642029735_1822371717046343095_n-300x200.jpg 300w, https:\/\/zeptner.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/10947216_1046542642029735_1822371717046343095_n-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px\" \/><\/figure><\/li><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"682\" src=\"https:\/\/zeptner.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Screenshot_2020-07-08-Facebook1-1024x682.jpg\" alt=\"\" data-id=\"778\" data-link=\"https:\/\/zeptner.com\/?attachment_id=778\" class=\"wp-image-778\" srcset=\"https:\/\/zeptner.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Screenshot_2020-07-08-Facebook1-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/zeptner.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Screenshot_2020-07-08-Facebook1-300x200.jpg 300w, https:\/\/zeptner.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Screenshot_2020-07-08-Facebook1-768x512.jpg 768w, https:\/\/zeptner.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Screenshot_2020-07-08-Facebook1-1536x1023.jpg 1536w, https:\/\/zeptner.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Screenshot_2020-07-08-Facebook1.jpg 1840w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure><\/li><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/zeptner.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Screenshot_2020-07-08-Facebook2-1024x768.jpg\" alt=\"\" data-id=\"779\" data-full-url=\"https:\/\/zeptner.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Screenshot_2020-07-08-Facebook2.jpg\" data-link=\"https:\/\/zeptner.com\/?attachment_id=779\" class=\"wp-image-779\" srcset=\"https:\/\/zeptner.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Screenshot_2020-07-08-Facebook2-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/zeptner.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Screenshot_2020-07-08-Facebook2-300x225.jpg 300w, https:\/\/zeptner.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Screenshot_2020-07-08-Facebook2-768x576.jpg 768w, https:\/\/zeptner.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Screenshot_2020-07-08-Facebook2-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/zeptner.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Screenshot_2020-07-08-Facebook2.jpg 1840w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure><\/li><\/ul><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wieso zur H\u00f6lle jetzt schon wieder Marrakesch? 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