{"id":637,"date":"2014-05-26T09:52:00","date_gmt":"2014-05-26T08:52:00","guid":{"rendered":"https:\/\/zeptner.com\/?p=637"},"modified":"2020-07-08T10:44:02","modified_gmt":"2020-07-08T09:44:02","slug":"hospital-days-part-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zeptner.com\/?p=637","title":{"rendered":"Hospital &#8211; Days Part II"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Day 1<\/h2>\n\n\n\n<p>19.5.2014 &#8211; 15:00 Uhr<\/p>\n\n\n\n<p>Die Metallplatte samt den Schrauben auf meinem Schl\u00fcsselbein soll entfernt werden.<br>P\u00fcnktlich treffe ich in der orthop\u00e4dischen Ambulanz im Marienhospital in Gelsenkirchen-\u00dcckendorf ein. Stolz \u00fcberreiche ich der Schwester in der Anmeldung mein ausgedrucktes R\u00f6ntgenbild, meine Krankenkassenkarte, meine Einweisung und nat\u00fcrlich meine \u00dcberweisung, eben all die tollen Dinge auf die ich bei meinem Chirurgen knapp f\u00fcnf Stunden gewartet habe um dann zu erfahren, dass es einer pers\u00f6nlichen Vorstellung und Untersuchung im Marienhospital bedarf, der ich nun drei Wochen entgegenfiebern durfte.<\/p>\n\n\n\n<p>R\u00f6ntgenbild und Einweisung bekomme ich wieder, f\u00fcr die Einweisung sei es noch viel zu fr\u00fch und das Bild w\u00fcrde gerne dem Arzt von mir pers\u00f6nlich vorgestellt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ehe ich mich versehe stehe ich neben den etwa zehn anderen wartenden Patienten auf dem Flur. Der Termin f\u00fcr 15:00 Uhr entpuppt sich als genereller Sammeltermin f\u00fcr alle Interessierten der Orthop\u00e4die. Nach einer halben Stunde wird ein Sitzplatz frei, ich plumpse erleichtert darauf und beginne intensive Studien in den ausgelegten Zeitschriften, ich arbeite mich durch den Stern direkt zum Spiegel weiter, um dann in der Bunten endg\u00fcltig jegliches Leseniveau zu verlieren. Die Uhr an der Wand verh\u00f6hnt mich mit ihrem Ziffernblatt auf dem sich die Zeiger zu 16:45 Uhr verschoben haben. Das Wartezimmer hat sich fast geleert als mein Name aufgerufen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Es h\u00e4tte eh keiner mehr neben mir sitzen wollen, da die Ger\u00e4usche aus meinem hungrigen Magen jeden vertreiben w\u00fcrden. Ich knurre also synchron zu meinem Magen ein \u201cJa\u201d und stolpere entkr\u00e4ftet in das Behandlungszimmer. Der junge Arzt begr\u00fc\u00dft mich freundlich und fragt nach meinem Begehr.<br>Ich brumme etwas von Metallentfernung und Clavicula und \u00fcberreiche stolz meinen Ausdruck des R\u00f6ntgenbildes.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Medizinmann sch\u00fcttelt mitleidig den Kopf und verk\u00fcndet mir, dass R\u00f6ntgenbilder auf Papier leider keinerlei Aussagekraft besitzen und er mich deswegen zum R\u00f6ntgen schickt. Einmal bitte in das Erdgeschoss den Flur entlang gleich rechts. Meine Begeisterung zur Schau stellend und meinen Magen hinter mir herziehend, schleppe ich mich in die Radiologie. Schade, dass die Anmeldung dort seit wenigen Minuten nicht mehr besetzt ist. Ich warte also hungrig darauf, dass sich jemand blicken l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Gl\u00fcck bin ich nicht alleine und kann mit meinem knurrenden Magen noch andere Wartende beeindrucken. Gegen 17:30 Uhr fragt mich ein Wei\u00dfkittel ob ich mich schon angemeldet h\u00e4tte. Ich verweise auf die Orthop\u00e4die, die mich doch schickt und verliere kurz die Kontenance als er mich anguckt als h\u00e4tte ich gerade bei Ihm Fritten mit Majon\u00e4se bestellt. In diesem Moment kommt die Schwester aus der Orthop\u00e4die und \u00fcberreicht ihm geheimnisvolle Papiere.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich starre der Schwester hinterher, die sich wieder entfernt und beschlie\u00dfe mich nicht l\u00e4nger zu fragen, warum sie mich nicht vor gut 2,5 Stunden schon zum R\u00f6ntgen geschickt hat, n\u00e4mlich genau zu der Zeit, als sie das erste Mal meinen nutzlosen Papierausdruck in den H\u00e4nden hielt und ihn mir Zwecks Pr\u00e4sentation beim Doktor zur\u00fcck gab. Ich werde es nie erfahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Gegen 17:45 wird mein Thorax erneut ger\u00f6ntgt. Ich trolle mich wieder zur orthop\u00e4dischen Ambulanz die jetzt v\u00f6llig ausgestorben vor mir liegt. Es ist 18:00 Uhr und ich kann vor Hunger kaum sprechen als der Arzt sich wieder die Ehre gibt. F\u00fcr die Beschwerden \u00fcber die langen Wartezeiten und meinen nahenden Hungertod hat er nur geringes Verst\u00e4ndnis. Er k\u00f6nne halt auch nur arbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Er studiert sehr intensiv mein R\u00f6ntgenbild &#8211; quasi mit R\u00f6ntgenblick und verk\u00fcndet mir dann, dass er nicht sicher ist ob der Bruch verheilt ist, da auf dem Bild ein Schatten an der Bruchstelle zu sehen ist. Er m\u00f6chte diesen Befund mit einem Radiologen besprechen der einen noch besseren R\u00f6ntgenblick hat, oder einen besseren Monitor, wie auch immer. Er bietet mir an, mich am n\u00e4chsten Tag anzurufen und mir das Ergebnis der Begutachtung mitzuteilen. Ich will nur noch essen, stimme zu und verschwinde in Windeseile nach Hause.<img decoding=\"async\" src=\"blob:https:\/\/zeptner.com\/25308968-1897-534e-b40f-9b49ca271d61\" alt=\"\"><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Day 2<\/h2>\n\n\n\n<p>20.5.2014 <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Noch beeindruckt von meinem knapp 3,5 Stunden langen Aufenthalt im Marienhospital am Vortag warte ich auf den Anruf der am fr\u00fchen Nachmittag erfolgt. Der Arzt vom Vortag erkl\u00e4rt mir, dass der Radiologe auch zu keinem Ergebnis gekommen ist, ausser zu dem Schluss, dass ein weiteres bildgebendes Verfahren, in diesem Fall ein CT, Aufschluss geben k\u00f6nnte. Ich m\u00f6ge doch bitte am 26.5.2014 zu einer Terminabsprache f\u00fcr das CT wieder in das Hospital kommen. Ich vermute einen kurzfristigen Tinnitus meinerseits und bitte um Wiederholung der Aussage. Die erfolgt prompt, nun ist es an mir zu fragen ob die Klinik nicht \u00fcber so moderne Errungenschaften wie das Telefon im Bereich der Radiologie verf\u00fcge, in der Orthop\u00e4die h\u00e4tten sie es ja schon, sonst k\u00f6nne er ja jetzt nicht mit mir sprechen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Arzt ist etwas verbl\u00fcfft, also erkl\u00e4re ich ihm, dass ich mit Nichten die Absicht h\u00e4tte die Klinik aufzusuchen nur um einen Termin abzusprechen, das m\u00fcsse doch auch fernm\u00fcndlich gehen (also am Telefon &#8211; schiebe ich noch hinterher).<\/p>\n\n\n\n<p>Ach ja &#8211; stimmt er zu, das ginge, er gibt mir gleich mal die Nummer und meldet mich dort an. Ich will ihn nicht \u00fcberfordern und unterlasse den Vorschlag mich doch gleich durchzustellen. Brav notiere ich die Nummer und erfahre wenige Minuten sp\u00e4ter, dass die Terminvergabe erst am n\u00e4chsten Tag wieder m\u00f6glich ist, da die Anmeldung jetzt geschlossen hat, ein Blick auf die Uhr best\u00e4tigt eine Uhrzeit kurz nach F\u00fcnf.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Day 3<\/h2>\n\n\n\n<p>21.5.2014  <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Ich erhalte an diesem Morgen einen Termin f\u00fcr den 26.5.2014 &#8211; diesmal nicht um an diesem Tag einen Termin auszumachen, sondern f\u00fcr das hoffentlich alles aufkl\u00e4rende CT selbst!<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Day 4<\/h2>\n\n\n\n<p>26.5.2014 <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Wie gew\u00fcnscht melde ich mich zuerst wieder in der orthop\u00e4dischen Ambulanz, dort freut man sich mir mitteilen zu k\u00f6nnen, dass ich bereits in der Radiologie angemeldet bin und das man jetzt nur noch kurz mit mir einen Termin vereinbaren muss.<\/p>\n\n\n\n<p>Wieder vermute ich diesen Tinnitus im Ohr &#8211; was zur H\u00f6lle f\u00fcr einen Termin? Mir d\u00e4mmert es pl\u00f6tzlich und ich frage, um Fassung ringend, ob die gute Frau damit meint, dass ich heute nur ein CT bekomme und dieses erst zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt besprochen wird. Sie nickt eifrig und versichert mir, dass die einw\u00f6chige Wartezeit bis zum Besprechungstermin sinnvoll genutzt wird, damit sich Orthop\u00e4de und Radiologe aufs Sch\u00e4rfste \u00fcber den Befund austauschen.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend ich meine Unterlippe zerbei\u00dfe nicke ich stumm, stecke den Terminzettel ein und trolle mich zur Radiologie. Das CT ist in weniger als 20 Minuten Geschichte und ich fahre, um eine weitere kuriose Erfahrung reicher, heim.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Day 5<\/h2>\n\n\n\n<p>02.06.2014 <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Den Weg in die orthop\u00e4dische Ambulanz finde ich mit schlafwandlerischer Sicherheit. In der Anmeldung sind alle drei Schwestern mit einem kniffeligen Computerproblem besch\u00e4ftigt, der Arzt von Day 1 ist auch da und erkennt mich wieder. Ich soll kurz noch warten, er ruft mal in der Radiologie an, damit sich jemand die CT-Bilder anguckt. Ich fluche in mich hinein und frage mich wozu die Herren denn jetzt eine Woche Zeit hatten und nehme desillusioniert im Flur Platz.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach etwa einer halben Stunde ruft der Arzt mich zu sich. Zu allererst interessiert ihn mein S\u00e4ttigungsgef\u00fchl und der Grad meiner Nahrungszuf\u00fchrung. Ich habe wohl an Day 1 einen gewissen Eindruck hinterlassen. Nachdem ich ihm versichere heute ausreichend vor meinem Besuch gespeist zu haben, erkl\u00e4rt er mir, dass der Radiologe der Ansicht ist, dass mein Bruch wahrscheinlich gut verheilt ist. Leider kann man das abschlie\u00dfend nicht beurteilen, da die in Bruchn\u00e4he verwendeten Schrauben Schatten werfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Folgende geniale Vorgehensweise wird mit mir vereinbart &#8211; aufmachen und nachgucken. Begeistert stimme ich zu. Da haben sich doch die 5 Tage gelohnt, endlich Ungewissheit.<br>Im Anschluss vereinbare ich einen OP-Termin f\u00fcr den 23.6.2014 und bestelle dazu auch gleich ein Einzelzimmer. Das ging ja alles sehr schnell und unkompliziert, murmele ich auf dem Weg zu meinem Auto mantram\u00e4\u00dfig vor mich hin. Bis ich zuhause bin glaube ich es sogar fast.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Day 6<\/h2>\n\n\n\n<p>20.6.2014 <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Pr\u00e4station\u00e4re Aufnahme. P\u00fcnktlich melde ich mich um 09:20 an der Anmeldung zur pr\u00e4station\u00e4ren Aufnahme. Ich bekomme Nummer 88 und stelle belustigt fest, dass Nummer 82 gerade in der Kabine 3 abgefertigt wird. Es gibt derer vier, drei der Kabinen sind besetzt, in einer (eben Kabine 3) werden die wartenden zuk\u00fcnftigen Bettenbeleger aufgenommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Offensichtlich muss man bei der Aufnahme seine gesamte Krankengeschichte, plus die von Oma Trude und der Nachbarin Else mit dem Verwaltungspersonal besprechen, denn die Prozedur dauert bei den ersten zwei Aufnahmen \u00fcber 20 Minuten. Als die Sitzpl\u00e4tze im Foyer knapp werden wird freundlicher Weise auch noch Kabine 2 in den Prozess integriert. Als meine Nummer aufgerufen wird beschr\u00e4nke ich mich auf meine eigene Krankengeschichte, unterschreibe die gef\u00fchlten hundert Formulare und finde mich kurz darauf an alter Stelle wieder.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich begr\u00fc\u00dfe die Schwester in der orthop\u00e4dischen Ambulanz wie eine langj\u00e4hrige Kollegin auf der Arbeit und widme mich kurz darauf wieder einer meditativen Gedulds\u00fcbung auf dem Flur. Nach gut 45 Minuten Meditation mit Gleichgesinnten stellt mir ein fremder Arzt wieder alle die Fragen die mir Arzt Nr. 1 schon an Day 1 gestellt hat. Ja &#8211; Allergien, ja Heuschnupfen, ja die Clavicula, ja kann sein, dass es nicht verwachsen ist, ja bitte direkt reparieren wenn nicht verwachsen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bekomme eine Laufkarte die mir mitteilt, dass noch die An\u00e4sthesie, die Kardiologie und die Station 7B meinen Tag gestalten werden. Im Warteraum f\u00fcr das Aufkl\u00e4rungsgespr\u00e4ch beim Narkosearzt treffe ich alle Mitwartenden aus dem Foyer und der orthop\u00e4dischen Ambulanz wieder. Ich beginne damit diesen verhassten Fragebogen f\u00fcr Narkosen auszuf\u00fcllen. Ich bin schon bei der ersten Frage genervt &#8211; Alter und Gewicht, schwierig sich an die Realit\u00e4t zu halten und nicht in Wunschtr\u00e4umen zu versinken. Die Spalte f\u00fcr bereits durchgef\u00fchrte Operationen ist wie immer zu klein, nein, schwanger bin ich nicht, und ja &#8211; Allergien &#8211; Heuschnupfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Aufkl\u00e4rungsgespr\u00e4che vor mir dauern eine gef\u00fchlte Ewigkeit, wie schreibt Kant im 18. Jahrhundert: \u201eAufkl\u00e4rung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unm\u00fcndigkeit. Unm\u00fcndigkeit ist das Unverm\u00f6gen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.\u201c Da sind vor mir aber ein paar Paradebeispiele an Unm\u00fcndigkeit am Werke!<\/p>\n\n\n\n<p>Als vor mir dann noch die Mutter mit ihren beiden S\u00f6hnen, die vermutlich eine gemeinsame Bar Mizwa feiern wollen, hereingerufen wird, muss ich nach gut 20 Minuten davon ausgehen, dass die Kinder auch gleich f\u00fcr ihr gesamtes Leben aufgekl\u00e4rt werden, die kommen gar nicht mehr raus.<\/p>\n\n\n\n<p>Als noch ein aufkl\u00e4rungswilliger Patient sich anmelden will teilt ihm die Schwester mit, dass er noch in Ruhe einen Kaffe trinken kann und in einer Stunde wiederkommen soll, da die Narkose\u00e4rztin jetzt zu einem Notfall auf die Station m\u00fcsse. Um Fassung ringend frage ich nach, ob das auch f\u00fcr mich eine gewisse G\u00fcltigkeit h\u00e4tte, es w\u00e4re schon nach zw\u00f6lf und ich h\u00e4tte an diesem Tag noch was vor. Sie wisse es nicht, sagt sie mir und f\u00fcgt noch pampig hinzu, dass es schlie\u00dflich ein Notfall w\u00e4re, das k\u00f6nne mir ja auch passieren und das ich daf\u00fcr doch Verst\u00e4ndnis haben m\u00fcsste.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber nat\u00fcrlich habe ich Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, dass es anscheinend nur eine Narkose\u00e4rztin im gesamten Krankenhaus gibt, die Aufkl\u00e4rungsgespr\u00e4che f\u00fchrt und wohl dabei auch noch einen Bereitschaftsdienst leistet.<\/p>\n\n\n\n<p>Erleichtert stelle ich fest, dass sie Mitleid mit mir hat und den Notfall noch etwas leiden l\u00e4sst. Ich nehme Platz und wir besprechen den Narkosebogen, gerne beantworte ich nochmals alle Fragen, die ich schon schriftlich beantwortet habe auch noch mal m\u00fcndlich, und ja &#8211; Allergien &#8211; Heuschnupfen. Ich oute mich als alter Narkoseprofi der mit allem Einverstanden ist und bin keine zehn Minuten sp\u00e4ter auf dem Weg zum EKG.<br>Die Anmeldung ist verwaist, ein Schild k\u00fcndet davon, dass man gleich wieder da sei. Tats\u00e4chlich ist das EKG nach gut 15 Minuten Geschichte und ich fahre mit dem Aufzug in den 7. Stock &#8211; Station 7B.<\/p>\n\n\n\n<p>Vertraute Gesichter, alle noch da vom letzten Jahr &#8211; prima! Ich werde sehr freundlich empfangen und darf mich noch kurz an einen Tisch setzen. Die Schwester eilt zu mir &#8211; sie hat noch ein paar Fragen, ja &#8211; Allergien &#8211; Heuschnupfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist 13:00 Uhr als ich das Krankenhaus verlasse &#8211; Tsch\u00fcss bis Montag.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Day 7<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Um 06.40 Uhr am 23.6.2014 stehe ich wieder an der Anmeldung, ein Armband, dass mich als Fallnr: 214555282 ausweist liegt f\u00fcr mich bereit. Ich nehme meinen Kopfh\u00f6rer und WLAN-Code in Empfang und lade am Automaten meine Telefonkarte auf. In der Station 7B werde ich schon erwartet und in mein Zimmer geleitet. Ich habe ein Dreibettzimmer zur alleinigen Nutzung.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem Nachttisch liegt mein OP-Hemd zusammen mit der sexy Netzhose. Mein OP-Termin ist f\u00fcr 09:30 Uhr angesetzt teilt mir die nette Schwester mit. Kurz nach 10:00 Uhr werde ich in den OP-Vorbereitungsraum gebracht. Auf dem grossen Flachbildschirm l\u00e4uft ein Actionfilm auf Pro 7, sehr meditativ und beruhigend.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Pfleger fragt noch mal die wichtigsten Dinge ab &#8211; Name, Alter, welche Schulter &#8211; ja &#8211;&nbsp; Allergien &#8211; Heuschnupfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Schwester versucht mit einer ihr eigenen Art der Akupunktur mich in die Narkose zu stechen. Nach zwei Fehlversuchen mir einen Zugang zu legen und einer durchstochenen Vene kommt ihre Kollegin und ist auf Anhieb erfolgreich. Kurze Zeit sp\u00e4ter str\u00f6mt das Narkosemittel in meine Vene und l\u00e4sst mich mit diesem wunderbaren Flash in die Bewusstlosigkeit abgleiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Gegen 12:15 Uhr erwache ich im extra daf\u00fcr eingerichteten Aufwachraum. Mein Hand f\u00e4hrt an die H\u00fcfte und erleichtert stelle ich fest, dass ich dort keine Wunde und keinen Schlauch vorfinde. Also wurde nur die Platte entfernt. Ich d\u00e4mmere weg und werde irgendwann zur\u00fcck auf das Zimmer geschoben.<\/p>\n\n\n\n<p>Dort wartet sogar ein Mittagessen, lecker, H\u00fchnerfrikassee mit Spargel &#8211; ich hasse Spargel. Die Opiate stellen Schmerzfreiheit her, leider wohl auch eine gewisse \u00dcbelkeit, mehrfach bin ich kurz davor mir das eine oder andere nochmals durch den Kopf gehen zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als die beste Ehefrau der Welt erscheint bin ich immer noch weich in der Birne und meine Gedanken drehen sich um Tikatakatukaland. M\u00fchsam stelle ich mein Essen f\u00fcr den n\u00e4chsten Tag zusammen, die eigentliche Essensaufnahme war nat\u00fcrlich w\u00e4hrend ich im OP weilte. Aber die nette Schwester nimmt alles auf und gibt es in den Computer ein. Das Abendbrot will nicht schmecken und ich d\u00e4mmere immer noch mit einer Grund\u00fcbelkeit zwischen Realit\u00e4t und Traumwelt dahin.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Nacht verbringe ich genau so. Ich sehe Fu\u00dfball, aber es sind mir entschieden zu viele B\u00e4lle und Spieler auf dem Feld, nein es sind sogar Felder.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Day 8<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Ich fiebere meinem Fr\u00fchst\u00fcck entgegen, vorher noch Visite, der Chefarzt und Oberarzt sind zum Gl\u00fcck immer noch die selben, ich f\u00fchle mich gut aufgehoben, und man erinnert sich sogar an mich. Ich hatte unter dem Einfluss von Opiaten im letzten Jahr eine gigantische Lobesmail verfasst die bis jetzt wohl noch nachwirkt.<\/p>\n\n\n\n<p>Um so ern\u00fcchternder dann das mir pr\u00e4sentierte Fr\u00fchst\u00fcck. Auf dem Tablett liegt ein Br\u00f6tchen, eine Scheibe Brot und vier Scheiben K\u00e4se.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich verk\u00fcnde nachdr\u00fccklich meinen Unmut und das Tablett verschwindet wieder. Kurz bevor ich unterzuckert in den Wahnsinn abdrifte bekomme ich ann\u00e4hernd das was ich bestellt habe. Sicherheitshalber gebe ich die komplette Bestellung f\u00fcr den Tag erneut auf.<br>Mein Opiat wird abgesetzt und die schrecklichen Tropfen durch Tabletten ersetzt. Ich komme langsam wieder zur\u00fcck in die Realit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Als das Mittagessen kommt weist mich die Schwester darauf hin, dass wenn ich auch nur noch einmal so etwas wieder bestelle, ich doch gef\u00e4lligst auch einen Hubwagen dazu bestellen soll. Sie wuchtet mein etwas \u00fcberladenes und schweres Tablett auf den Tisch, w\u00fcnscht mir mit einem diabolischen Grinsen einen guten Appetit und \u00fcberl\u00e4sst mich dem \u00fcppigen Mahl.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich lupfe den Deckel und blicke auf zwei faustgro\u00dfe Folienkartoffeln, die auf einem Doppelbett aus M\u00f6hren und Erbsen thronen. Dazu eine riesige Sch\u00fcssel Kr\u00e4uterquark, mein Vorspeisensalat mit Putenbruststreifen, die sich als Pressfleisch entpuppen, ein geh\u00f6riges St\u00fcck Kuchen inklusive der Kaffeetasse, ein Beilagensalat und nicht zu vergessen die Obstschale als Nachspeise. Alleine von dem Anblick bin ich schlagartig satt.<\/p>\n\n\n\n<p>Leider sind in der Krankenhausk\u00fcche Pfeffer und Salz zwei unbekannte Gr\u00f6\u00dfen in der Gleichung f\u00fcr ein gelungenes Mittagessen und so bleibt weit \u00fcber die H\u00e4lfte auf dem Tablett, welches ich unter Aufbringung enormer Kr\u00e4fte einh\u00e4ndig zur\u00fcck zum Essenswagen schleppe. Kuchen und Obstschale habe ich nat\u00fcrlich vorher in meine Vorratsh\u00f6hle (K\u00fchlschrank) verschleppt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich ziehe meine Jogginghose an und hartze ein wenig bei irgendwelchen Dailysoaps rum. Kurz bevor das Endstadium der Verbl\u00f6dung erreicht ist d\u00e4mmere ich zum Gl\u00fcck weg.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine bessere H\u00e4lfte kommt gerade noch rechtzeitig um mein ausgefallenes Abendessen mitzubekommen. Es verh\u00e4lt sich mit dem ausgefallenen Abendessen genauso wie mit dem ausgefallenen Sex mancher Leute. Montags ausgefallen, Dienstag ausgefallen, Mittwoch ausgefallen usw..<\/p>\n\n\n\n<p>Mein Name inklusive Bettnummer ist auf mysteri\u00f6se Weise aus dem Computer verschwunden und mein Abendessen nat\u00fcrlich gleich mit. Eine nette Stationsschwester organisiert mir ein Essen aus der Gyn\u00e4kologie. Bei weitem nicht das was ich bestellt habe, aber zumindest nichts von Hipp oder Alete.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Abend geh\u00f6rt der WM und diesem Blog hier. Ohne Opiate f\u00e4llt das Schreiben doch viel leichter.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Day 9<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Fr\u00fch raus, duschen, lesen und d\u00f6sen. Visite, dann habe ich ein ausgefallenes Fr\u00fchst\u00fcck, es gibt mich immer noch, oder wieder, nicht im System. Bei den Schwestern liegen die Nerven blank, trotzdem bem\u00fchen sie sich um ein Ersatzessen, welches zu meiner Zufriedenheit ausf\u00e4llt. Man nimmt meine Bestellung auf, die ich bereits auswendig beten kann. Kurz darauf teile ich der K\u00fcche meinen Frust pers\u00f6nlich mit, dort f\u00fchlt man sich zu unrecht beschuldigt und schiebt es auf die Schwestern und das Computersystem.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich freue mich.<\/p>\n\n\n\n<p>Es dauert nicht lange bis ein Azubi mich fragt was ich zum Mittag essen m\u00f6chte, ich weiss nicht recht ob ich lachen oder weinen soll und suche bei Google-Maps nach Restaurants in der N\u00e4he.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine andere Schwester nimmt das Fr\u00fchst\u00fcck f\u00fcr den n\u00e4chsten Tag auf &#8211; wir m\u00fcssen beide \u00fcber diesen sinnlosen Akt lachen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie durch ein Wunder erhalte ich das richtige Essen, ok, es fehlt der Kuchen und die Kaffeetasse, aber daf\u00fcr habe ich ja diese wunderbaren Schwestern hier auf der Station. Das Gew\u00fcnschte wird in Windeseile aus dem Hut gezaubert. Tolle M\u00e4dels und Jungs hier. Mahlzeit &#8211; und danach versch\u00e4rftes D\u00f6sen. Morgen werde ich entlassen, alles worum ich mich sorge ist das Abendessen und das Fr\u00fchst\u00fcck morgen fr\u00fch. Ich bestelle zum zweiten Mal das Abendessen und zum dritten Mal das Fr\u00fchst\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Als die T\u00fcr aufgeht und man mir ein Aufnahmeessen offeriert verliere ich kurz die Fassung und stelle die Forderung sofort das von mir schon zweimal heute bestellte Essen zu bringen &#8211; einzige akzeptierte Alternative w\u00e4re der Kopf des K\u00fcchenchefs. Der arme Pfleger schaut noch mal nach und bringt mir stolz ein anderes Tablett auf dem der handgeschrieben Zettel seines Kollegen von heute Mittag liegt. Ich beruhige mich kurz und entschuldige mich, nur um kurz nachdem er aus dem Zimmer ist festzustellen, dass man offensichtlich in der K\u00fcche zu bl\u00f6d ist handgeschriebene Zettel zu lesen. Ich finde K\u00e4se, Margarine und Joghurt &#8211; steht alles nicht auf dem Zettel, daf\u00fcr suche ich vergeblich den Salat und die Leberwurst.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine liebe Schwester fordert das fehlende in der K\u00fcche nach und bereitet mich auf eine halbst\u00fcndige Wartezeit vor. Ich fl\u00fcchte mich in die WM und warte auf die beste Ehefrau der Welt. Die K\u00fcche liefert die Leberwurst nach, vom Salat kein Spur &#8211; unfassbar!<\/p>\n\n\n\n<p>Lange Tage und angenehme N\u00e4chte!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Day 1 19.5.2014 &#8211; 15:00 Uhr Die Metallplatte samt den Schrauben auf meinem Schl\u00fcsselbein soll entfernt werden.P\u00fcnktlich treffe ich in der orthop\u00e4dischen Ambulanz im Marienhospital in Gelsenkirchen-\u00dcckendorf ein. Stolz \u00fcberreiche ich der Schwester in der Anmeldung mein ausgedrucktes R\u00f6ntgenbild, meine Krankenkassenkarte, meine Einweisung und nat\u00fcrlich meine \u00dcberweisung, eben all die tollen Dinge auf die ich&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":484,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[10,2],"tags":[],"class_list":["post-637","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-krankenhaus","category-tagebuch"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/zeptner.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/637","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/zeptner.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/zeptner.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/zeptner.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/zeptner.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=637"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/zeptner.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/637\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":639,"href":"https:\/\/zeptner.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/637\/revisions\/639"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/zeptner.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/484"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/zeptner.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=637"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/zeptner.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=637"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/zeptner.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=637"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}